Das Nebelhorn im Nebel

Klettersteige um Oberstdorf im Sommer 2007

 

So. 05.08.2007
Eine kleine Gruppe des DAV-Osnabrück (Marlis Brietzke, Elmar Chriske, Oliver Voges und ich) trifft sich am Sonntagvormittag im Gasthof Ostrachwellen in Bruck bei Hindelang. Ziele der Gruppe sind die Klettersteige rund um Oberstdorf. Auf geht’s mit Bus und Bahn etwas umständlich zur Talstation der Fellhornbahn (904m). Von dort aus steigen wir bei hochsommerlichen Temperaturen durch abwechslungsreiche Bergwiesen und Wälder auf zur Fiderepasshütte (2070m). Schweißtreibend war’s, doch als Akklimatisationstour durchaus angemessen.

Mo. 06.08.2007
Der Mindelheimer Klettersteig steht heute im Mittelpunkt der Tour. Für Elmar und Oliver sind Klettersteige eine neue Erfahrung, doch schnell gewöhnen sie sich an das notwendige Handling. Spannung ist vorhanden, denn wegen der vielen Unfälle wird der Mindelheimer Klettersteig auch „Todessteig“ genannt. Allerdings wundert uns diese Bezeichnung nicht, denn auch heute sind Gruppen ohne Sicherungsset und Helme unterwegs... .Die über 80 Stahlseile sichern nicht, wie manch einer glaubt, den gesamten Steig, und die wenigen roten Markierungspfeile reichen auch nicht aus, um immer zweifelsfrei den richtigen Pfad zu finden. Schnell kann es geschehen, dass Spuren in die verkehrte Gasse und in absturzgefährliche Bereiche führen. Also, aufgepasst!!!
Abwechslungsreich ist der Steig allemal: Mal Gratkletterei, mal geht’s über Leitern und Eisentritte, mal über Felstürme, dann wieder durch schmale Gassen und zum Schluss ein Gipfelgruß vom Kemptener Köpfle. Mit dem Gefühl, doch etwas Anspruchvolles gemeistert zu haben, erreichen wir die Mindelheimer Hütte (2020m). Diese platzt fast aus den Nähten. Voll sind die Gaststuben und auch die Lager. Eng und warm wird’s in der Nacht.

Di. 07.08.2007
Die Rappenseehütte (2091m) ist das Ziel des nächsten Tages. Doch dazu müssen wir erst steil hinunter zum Schrofenpass und dann wieder auf schmalem Steig aufwärts, mal durch Latschen, dann über Schrofen, über Almwiesen mit seltenen Blumen und dann steil hinauf zum Sattel hinter dem dann plötzlich die Rappenseehütte auftaucht. Nun setzen Regen und Nebel ein, und kühl ist es geworden. Da freuen wir uns besonders über die Duschmöglichkeit und genießen das reichliche Angebot der Speisekarte. Doch wie soll es weiter gehen. Für morgen hatten wir doch den Heilbonner Weg vorgesehen. Bei diesem Wetter und der Prognose für die nächsten Tage einfach unverantwortbar. So kommt unsere Wochenplanung durcheinander.

Mi. 08.08.2007
Wir haben uns für den Abstieg entschieden. Im strömenden Regen geht’s an der Enzianhütte und Einödsbach vorbei nach Birgsau, dort nehmen wir den Bus nach Oberstdorf. Dort laufen uns Thorsten Spree und Silke Rebus aus Osnabrück in die Arme. Sie haben die Oberstdorfer Runde einen Tag früher als wir begonnen und mit viel Glück noch den Heilbronner Weg geschafft, ehe das schlechte Wetter sie zum Abstieg nötigte.
Marlis fährt mit der Nebelhornbahn voraus zum Edmund Probst Haus. Wir drei Männer haben uns für den Fußweg entschieden, doch nicht über den geteerten Weg, sondern durch das Oytal und dann hinauf über den Gleitweg am Seealpsee vorbei, über Almwiesen zum Zeigersattel und weiter zum Edmund Probst Haus. Lässt sich am Oytalhaus die Sonne noch (fast) blicken, setzen beim Aufstieg doch bald wieder Nebel und zunehmend Regen ein. So haben wir einen anspruchsvollen Aufstieg, mit schwierig zu überquerenden, angeschwollenen Wasserläufen, schmalen, rutschigen Passagen durch die fast senkrechten Abstürze des Seealpengundlestobel.
Gefallen hat uns der Aufstieg allemal, das Gefühl, die Herausforderungen gemeistert zu haben, mildert das Unbehagen über unsere durchnässte Kleidung. Gut, dass es einen funktionellen Trockenraum in der Hütte gibt. Dort ist wieder Neuplanung angesagt. Die Wetterprognosen für die nächsten Tage sind düster: Regen, Nebel, Abkühlung.

Do. 09.08.2007
Geregnet hat es die ganze Nacht, das Nebelhorn macht seinem Namen Ehre und sich im Nebel unsichtbar. Die Stimmung in der Gruppe ist gedrückt, Oliver will hinunter, seine Schuhe sind durchnässt, ein Abstieg ohne Hindelanger Klettersteig erscheint mir nicht lohnend. Mein Vorschlag, doch den Steig zu versuchen (vielleicht reißt der Himmel ja doch noch auf), und Hinabfahren, falls sich größere Probleme ergeben, ist ja auch später möglich, findet keine Gegenliebe. So fahren wir mit der Gondel zu Tal. Mit Wehmut schaue ich der entgegenkommenden Gondel hinterher, in der eine mit Klettersteigset und Helmen ausgerüstete Gruppe hinauf fährt...

Fr. 10.08.2007
Nach dem Frühstück im Gasthof Ostrachwellen in Bruck bei Hindelang trennen wir uns. Marlis, Elmar und Oliver fahren mit dem Auto heim. Ich hoffe immer noch auf Wetterbesserung und steige an der Nickenalm vorbei zum Türle auf und weiter zum Kleinen Daumen (2197m). Ab 1800 Hm beginnt die geschlossene Nebeldecke, nur schemenhaft lässt sich der Engeratsgrundsee erkennen. Eine Gratkletterei über die Hohen Gänge gibt für mich unter diesen Umständen keinen Sinn, also wieder hinunter Richtung Retterschwangertal.

Sa. 11.12.2007
Das Nebelhorn macht seinem Namen wieder Ehre. Bis unten ins Tal gehen die Wolken. Es regnet Bindfäden zum Abschied in diesem Jahr.

Eckhard Pietschmann

 

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Datum der letzten Änderung: 21.10.2007 | Ansprechpartner: Eckhard Pietschmann

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